ABC der Nachhaltigkeitsstrategien

   
Geschichte der nachhaltigen Kommunalentwicklung

Anfangsphase von 1992 bis 1997 (Lokale Agenda 21)

Grundlage für die Erstellung einer Lokalen Agenda 21 ist die Agenda 21, welche von 173 Staaten am 14. Juni 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung verabschiedet wurde. In der Anfangsphase von 1994 bis 1997 (1. Generation)standen vorwiegend Umweltthemen und Projektarbeit im Mittelpunkt der örtlichen Agenda 21 Arbeit. Die Lokale Agenda 21 und auch das Thema Nachhaltigkeit war alles andere als eine "Selbstverständlichkeit". In dieser Zeit mußten erhebliche Widerstände überwunden und Vertrauen aufgebaut werden. In Bayern gab es 1997 erst 80 kommunale Agenda 21 Beschlüsse.

Wachstumsphase bis 2002

Der Wendepunkt zur Wachstumsphase makriert der Rio plus 5 Erdgipfel in New York. Die Erfahrungen der 1. Generation wurde ausgewertet und führten zu einem Bündel von Verbesserungsmaßnahmen. Vorraus z.B. die Komma 21 Zentrale und diverse Förderprogramme erwachsen sind. Dabei ging es besonders darum, verbesserte Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Lokalen Agenda 21 Prozess zu schaffen. Ein wesentlicher Beitrag war dabei die Klärung der 15 Schritte zur Lokalen Agenda 21. Quantiativ arbeiteten 2002 in Bayern über 665 Kommunen an einem Prozess.  

Qualitätsphase bis 2017

Nachhaltige Kommunalentwicklung ist heute zur "Selbstverständlichkeit" und zu einer weltweiten Bewegung geworden. Auf dem Weltgipfel in Johannesburg wurde in der Local Goverment Session Bilanz gezogen und die nächste Phase vorbereitet. Auch wenn es über 7000 Prozesse weltweit gibt, kommt es vielerorts zu ersten Ermüdungserscheinungen. Manche Prozesse sind sogar völlig im "Sand" verlaufen. Viele Kommunen sind mitten auf dem Weg stehen geblieben oder vom Kurs abgekommen. Einige fehlen nur wenige Schritte bis zum erfolgreichen Zwischenziel. Durch die örtlichen Frustrationserfahrungen, aber auch durch die Namensähnlichkeit mit der Agenda 2000 und der Agenda 2010 hat das Image der Lokalen Agenda 21 in Deutschland stark gelitten. 

Diese Wachstumsphase wurde 2002 /2003 von einem Team der TU München (Prof. Magel) evaluiert. Die Gutachter kommen dabei zu folgenden Vorschlägen*:

  • Die Kommunen in Bayern brauchen ein klares Verständnis über Notwendigkeit, Ziele, Nutzen, Aufgaben und Zuständigkeiten der KA 21.
  • Agenda 21-Prozesse brauchen eine dauerhafte Zusammenarbeit von kommunaler Verwaltung, Mandatsträgern, Verbänden und Bürgern. Die Kommunen müssen aktiv die Trägerschaft der KA 21 übernehmen.
  • Jeder Agenda 21-Prozess benötigt regelmäßige Reflexionsphasen und Erfolgskontrollen.
  • Die Notwendigkeit und Vorteile einer nachhaltigen Entwicklung sind den kommunalen Akteuren mittels kontinuierlicher Informations- und Lernprozesse zu vermitteln.

"Aus dem gesellschaftspolitischen Leitbild der Aktiven Bürgergesellschaft ergibt sich für die Städte und Gemeinden das Leitbild der Bürgerkommune."

Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit ist zur zentralen strategischen Herausforderung der Kommunen in Deutschland und in der EU avanciert (vgl. Studie Deutschland 2020).

Mit dem Modellprojekt "Visionen für Ingolstadt" wurden international neue Akzente gesetzt und die 3. Generation vorbereitet. Aufgrund der zahlreichen  Erfahrungen der Prozesse der 2. Generation in Bayern, Deutschland und Europa wurde in der Stadt Ingolstadt, analog der Staaten und Landesregierungen der Paradigmenwechsel zur Lokalen Nachhaltigkeits-strategie vollzogen. 


Das Modellprojekt wurde auf dem Weltgipfel in Johannesburg, als Beitrag des Freistaats Bayern vorgestellt und stellt in Deutschland aber auch in Europa eines der ersten Prozesse der 3. Generation dar.

Vergleich der Instrumente: Das Kommunale Nachhaltigkeitsmanagement

Mit der 3. Generation sind formal und inhaltlich neue Maßstäbe verbunden. Formale Maßstäbe der neuen Phase sind eine wesentlich höhere Qualität des Gesamtprozesses, der beschlossenen Leitbilder, Entwicklungsprogramme, Umsetzungsstrukturen in Verbindung mit dem Leitbild der Bürgerkommune.

* Befragung zur Kommunalen Agenda 21. Evaluierung 2002/2003

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